Tierisches Design.

BMW Motorrad hat ein Herz für Elefanten.

Sie sind so ausdauernd, geländetauglich und geliebt wie manches BMW Motorrad – mit dem Unterschied, dass die grauen Riesen gefährdet sind. Die Designabteilung der blauweissen Marke hat das Thema Motorrad im wahrsten Sinne des Wortes auf den Elefanten gebracht. Über die wohltätige Kooperation von der Elephant Parade in Thailand und dem bayerischen Motorradbauer. 

Wenn die Designer von BMW Motorrad Besuch bekommen, verschwindet die Zukunft in den Schubladen, bekommen dreidimensionale Modelle eine Hülle übergestülpt. Nichts darf an die Öffentlichkeit dringen. Streng geheim. Neue Ideen für einzelne Parts und ganze Motorräder unterliegen dem Betriebsgeheimnis. Entspannter geht es hingegen zu, wenn sich der Motorradbauer aus München einem wohltätigen Zweck widmet – nennen wir es ein tierisches Projekt – und dem Besucher einen Blick hinter die Kulissen gewährt. Denn seit 2016 besteht eine Kooperation zwischen BMW Motorrad und der Elephant Parade aus Thailand – eine gemeinnützige Organisation, die sich um den Erhalt der Elefanten in Asien kümmert. 

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Mosha – prominenter Elefant mit Prothese.

Es geht um Proportionen: Alexander Buckan, Head of Vehicle Design BMW Motorrad, erzählt aus der Sicht des Designers, was es bedeutet die Themen Motorrad und Elefant zusammenzubringen.    

Mosha – prominenter Elefant mit Prothese.

Wie die Münchener Motorraddesigner ins Spiel kommen? Die kreativen Köpfe haben Entwürfe gefertigt, aus denen Elefantenskulpturen modelliert werden. Zahlreiche Firmen, Prominente, Künstler und Schauspieler unterstützen die Elephant Parade, gestalten Skulpturen, die mit 1,50 Meter der Lebensgrösse eines Babyelefanten entsprechen. Diese werden weltweit auf öffentlichen Plätzen ausgestellt und anschliessend versteigert, um das Krankenhaus „Friends of the Asian Elephant“ in Thailand zu unterstützen – übrigens das einzige seiner Art, das Prothesen für Elefanten konstruiert. Prominentes Beispiel ist der Babyelefant Mosha: Weil eine Landmine explodierte, verlor er im Alter von sieben Monaten einen Fuss. Dieses Schicksal wiederum inspirierte Marc Spits im Jahr 2006 zum ersten Event der Elephant Parade; seit 2008 unterstützt die Organisation das Elefanten-Krankenhaus. Als nächstes stehen Ausstellungen in Brasilien und Indien an. 

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Mit Sehgewohnheiten brechen.

Das Designerteam rund um Alexander Buckan ist auf den Elefanten gekommen. 

Mit Sehgewohnheiten brechen.

Beim Designen eines Motorrads gilt es im ersten Schritt vor allem die Proportionen zu entwickeln. Dieser Schritt fällt bei einem Elefanten weg. „Das Tier existiert bereits, ist physisch fertig. Der Designer muss nun mit vorhandenen Proportionen interagieren“, erzählt Alexander Buckan, Head of Vehicle Design bei BMW Motorrad. Sein Team habe bis auf wenige Details reine Grafikarbeit geleistet, musste nicht die komplexen Arbeitsabläufe spiegeln, die üblicherweise beim Motorraddesign anfallen. Einfach war es trotzdem nicht. Denn die Designer setzten sich mit einem Thema auseinander, das nicht aus ihrer alltäglichen Berufswelt stammt. „Sich von der Technik kommend auf ein Tier einzustellen, war wohl die grösste Herausforderung“, erinnert sich Alexander. Die Designer mussten hierzu mit ihren Sehgewohnheiten brechen. „Wir abstrahierten das Thema Motorrad und übertrugen es auf den Elefanten.“ Selbstverständlich mit der Bedingung, dass die spätere Skulptur den Menschen emotional berühren soll. 

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Aller guten Dinge sind drei.

Nach zwei Wochen lagen zehn Entwürfe vor, die ganz nebenbei im üblichen Geschäftsgeschehen entstanden. Die Kollegen sichteten die Skizzen, besprachen sie. Im nächsten Schritt stiegen sie ins Detail ein, wählten sieben Entwürfe aus. Die Diskussionen gingen weiter – bis schliesslich drei Entwürfe feststanden. Einzige wichtige Information und Anhaltspunkt für die Designer waren die genauen Masse der Figur. Davon hängt ab, wie detailreich die Entwürfe mit ihren Linien und verschiedenen Facetten werden. „Ansonsten sind wir frei von Vorgaben an die Skizzen herangegangen, hatten keine Farben und kein bestimmtes Motorradmodell vor Augen. Das sieht man auch, denn es sind sehr unterschiedliche Ideen entstanden“, sagt Alexander. Jeder Designer stellte auf seine Art und Weise eine Parallele zwischen Elefant und Motorrad her. 

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Von Tank, Zylindern und der Paris-Dakar.

Einer der drei finalen Entwürfe thematisiert den alten Tank eines Classic Bikes von BMW Motorrad. Er bildet den Corpus des Elefanten. Der Tankdeckel hebt sich bewusst als auffälliges Merkmal dreidimensional auf dem Rücken des Tieres ab – das ist der BMW Motorrad Classic Elephant. Bei einer anderen Skulptur gibt der Boxermotor das Thema vor, die beiden typischen Zylinder verpassen dem Elefanten ein ungewöhnliches Aussehen. Und als dritte Skulptur weckt das Thema Lac Rose Erinnerungen an die erfolgreiche Rallye Paris-Dakar von 1985, weil es das Siegerbike mit den Farben Orange und Weiss gepaart mit den typischen Streifen aus dem BMW Motorsport interpretiert. Der Clou: Auf einem Bein des Elefanten ist ein Faltenbalg aufmodelliert. 

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Der Teufel steckt im Detail.

Mit den zweidimensionalen Entwürfen ist die Arbeit allerdings noch nicht erledigt. Es beginnt ein Ping-Pong-Spiel. Rückfragen entstehen. Den Designern ist unklar, ob alle Details umgesetzt werden können. Werden die Entwürfe nur auf die bestehende Skulptur aufgemalt? Oder lassen sich Tankdeckel und Zylinderköpfe plastisch herausarbeiten? Auch auf Seiten von Elephant Parade ergeben sich Fragen. „Das ist völlig normales Business, in der Interaktion mit unseren Entwicklungsfachstellen ergeben sich auch immer wieder Fragen – auf beiden Seiten. Manchmal müssen wir dann Alternativlösungen anbieten“, erzählt Alexander. Grundsätzlich reizt den Designer das spannende Zusammentreffen von Emotionalität und Funktionalität. „Das finde ich genial: auf der einen Seite berührt das Motorrad den Menschen emotional, auf der anderen muss es funktionieren.“ 

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Klarer Fall von Boxermotor.

Alex allein im Büro: Wo der Designer auch arbeitet und wirkt, schafft er sich eine passende und inspirierende Umgebung. 

Klarer Fall von Boxermotor.

Denkt Alexander Buckan an die Parallelen von Motorrad und Elefant, spricht der Designer aus ihm: „Jedes Kind kennt dieses Tier, hat eine klare Vorstellung von ihm und besitzt vielleicht eines als Kuscheltier.“ Die graue Farbe, das markante Äussere, das sprichwörtlich dicke Fell. Der Dickhäuter ist eine pompöse Erscheinung. Im übertragenen Sinn bedeutet das: „Der Boxer ist einer der bekanntesten Motoren weltweit. Mit den beiden gegenüberliegenden Zylindern bringst Du ihn sofort mit BMW Motorrad in Verbindung“, findet er. Es ist klar, dass er Benzin im Blut hat. Nicht nur das Designen neuer Bikes treibt ihn um: „Motorradfahren ist für mich Lifestyle, Abenteuer, Erholung vom Alltag“, erzählt Alexander, der selbst eine unverbastelte BMW R 75/6, Baujahr 1974, fährt. 

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Das Elefantentreffen.

Kein seltener Anblick: Der Elefant ist zumindest teilweise ein Arbeits- und Nutztier in Thailand.    

Das Elefantentreffen.

Der graue Riese und das Motorrad – Alexander fallen spontan weitere Parallelen ein: Motorradjournalist Ernst Leverkus initiierte im Januar 1956 an der Solitude-Rennstrecke das erste Elefantentreffen. Mehrere Dutzend Fahrer der Zündapp KS 601 trafen sich in der Nähe von Stuttgart und trotzten dem Winterwetter. Das Motorrad mit seiner „bulligen Kraft“ und der typisch grünen Lackierung brachte dem Gespann den Beinamen „Grüner Elefant“ – und gab dem Treffen seinen Namen. Es etablierte sich und längst nehmen Fahrer unterschiedlicher Motorradmarken an der dreitägigen Veranstaltung teil, die seit den 1990er Jahren am Nürburgring stattfindet – organisiert vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM).  

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Botschafter friedlichen Zusammenlebens.

Was die Kooperation mit der Elephant Parade betrifft, haben Alexander und sein Team keinen Augenblick gezögert, das Vorhaben zu unterstützen. „Das Thema hat uns emotional sehr berührt. Es liegt auf der Hand, dass wir bei einem solchen Projekt helfen“, sagt er. Im Vietnamkrieg fielen etwa 270 Millionen Streubomben auf Laos, Schätzungen gehen von etwa 30 Prozent Blindgängern aus, die teilweise noch herumliegen und auch Jahrzehnte nach Kriegsende für tote oder verstümmelte Menschen und Tiere verantwortlich sind. Für Edgar Heinrich, Leiter Design BMW Motorrad, ist das Engagement der Elephant Parade eine Herzensangelegenheit. Er lebte und arbeitete drei Jahre in Indien, kam dort mit dem Thema in Berührung und übernahm eine Patenschaft für ein Elefantenbaby. Ausserdem spricht Edgar noch einen weiteren Gedanken an: „Viele Motorradfahrer lieben es, ferne Länder und fremde Kulturen zu entdecken. Dafür ist eine friedliche Welt und intakte Ökosysteme Voraussetzung. Es wird zunehmend schwieriger, sich in dieser Welt frei zu bewegen. BMW Motorräder und ihre Fahrer findet man an den entlegensten Orten der Welt; sie sind Botschafter dieses Gedankens des friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Natur sowie der Kulturen untereinander.“ 

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Der Auslöser: die International GS Trophy 2016.

Der Stein kam mit der International GS Trophy 2016 in Thailand ins Rollen. Denn: Ist BMW Motorrad mit einem Event in einem Land unterwegs, sind die Organisatoren auf seine Gastfreundschaft angewiesen – und erwidern diese. „Die Elephant Parade ist eine hervorragende Gelegenheit, sich zu engagieren. Alle, die mit der Organisation der Trophy zu tun hatten, haben gesehen, wie notwendig es ist, sich um diese eindrucksvollen Tiere zu kümmern“, erzählt Ralf Rodepeter, Marketingchef bei BMW Motorrad (Head of Marketing and Product Management). Das Tier wurde zum Maskottchen der International GS Trophy 2016. Ein grosser, orangener Elefant stand abends am Camp der Trophyteilnehmer, viele Fotos entstanden rund um die Skulptur.  

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Ein Minielefant schreitet über den Schreibtisch.

Die International GS Trophy 2016 in Thailand ist der Anfang der Kooperation mit BMW Motorrad und der Elephant Parade. Der kleine Elefant erinnert an die aussergewöhnliche Trophy im Land der Elefanten.    

Ein Minielefant schreitet über den Schreibtisch.

Der Elefant ist in Thailand jahrzehntelang als Nutztier gehalten worden, zuletzt wurden viele Dickhäuter im Busch ausgesetzt, sind misshandelt worden und auf Hilfe angewiesen. Im Elephant Nature Park (ENP) haben die grauen Riesen eine neue Heimat gefunden. Die International GS Trophy 2016 führte die Fahrer unter anderem an diesem Park vorbei. „Das war einerseits ein wirklich faszinierendes Bild, andererseits aber auch traurig zu sehen, dass so viele Tiere auf Hilfe angewiesen sind“, erinnert sich Ralf. Die Teilnehmer haben eine Skulptur in Miniaturausführung als Andenken erhalten. Noch heute erinnert ihn die Figur auf seinem Schreibtisch „an die sehr außergewöhnliche Trophy“. Ein perfektes Thema, um auch BMW Motorrad glaubwürdig über die GS Trophy hinaus einzubinden.  

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So geht es weiter.

Die von BMW Motorrad designten Elefanten sind auf den kommenden Ausstellungen der Elephant Parade zu sehen. Für Anfang 2018 ist die nächste Veranstaltung in Mumbai (Indien) geplant. Bereits vom 1. August bis 1. Oktober 2017 wurden 85 Skulpturen in Sao Paulo ausgestellt (http://elephantparade.com.br/); eine Skulptur von BMW Motorrad – jene mit dem dreidimensionalen Tankdeckel – war dort ebenfalls zu sehen. In den vergangenen Jahren hat es unter anderem Veranstaltungen in Amsterdam, Antwerpen, Bangkok, Bergen, Calais, Kalifornien, Chiang Mai, Kopenhagen, London, Singapore, Hong Kong und Emmen gegeben. Zudem unterhält die Elephant Parade ein Museum in Thailand: Das Elephant Parade Land in Chiang Mai erzählt die mittlerweile mehr als zehnjährige Geschichte der Organisation und die Mission, den gefährdeten Asiatischen Elefanten zu schützen. Künftig wird in dem Museum der Elefant zum Thema Lac Rose ausgestellt sein.

Weitere Informationen unter www.elephantparade.com und http://elephant-family.org

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